Button zur vorherigen Seite (zurueck)
normale Schriftgröße mittlere Schriftgröße große Schriftgröße hoher Kontrast (schwarz⁄weiß) Standardkontrast (Farbe)

Holz, nicht nur aus dem Wald

Button fuer die druckeroptimierte Seite
Autor (-en):
Christiane Winzer
Kontakt:
über die Redaktion des Internetportals "Wald & Klima":
e-mail an » co2projekt(at)forst.thueringen.de
Zusendung am:
01.03.2007
Einstellung am:
11.03.2007
Dokumenttyp:
Artikel, der im Original in der Mitarbeiterzeitschrift "DAS BLATT" der Thüringer Landesforstverwaltung, Heft 5⁄2006 erschienen ist. Grundlage des Artikels ist die von der Autorin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erstellten Diplomarbeit mit dem Thema "Anbau der schnellwachsenden Baumarten Pappel (Populus L.) und Weide (Salix L.) auf landwirtschaftlichen Flächen im Kurzumtrieb - Botanische Grundlagen und Anbauergebnisse", fertiggestellt im Mai 2006
Zusammenfassung:
Die diesem Beitrag zugrundeliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Kurzumtriebswirtschaft von Pappeln und Weiden auf landwirtschaftlichen Flächen. Neben dem Anbau, von der Anlage der Fläche bis zur Verwendung, sind botanische Eigenschaften, Versuchsergebnisse sowie ökologische Betrachtungen dargestellt. Es wird festgestellt, dass sich die Gattungen Populus L. und Salix L. für eine extensive Bestandesführung ohne Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen auf vormals ackerbaulich genutzten Arealen eignen. Die allgemein gute Raschwüchsigkeit und das Wiederaustriebsvermögen müssen bei der Sortenwahl bestätigt werden. Bei den Pappeln liefert unter anderem die Mehrklonsorte Max und bei den Weiden die Sorte Tora zufrieden stellende Trockenmasseergebnisse von ca. 10 t ha-1 a-1. Die zum Einsatz kommende Erntetechnik richtet sich vor allem nach der gewählten Umtriebszeit und dem damit zusammenhängenden Stammdurchmesser sowie dem Anlagesystem, das heißt doppel- oder einreihig. Der rechtliche Weg hin zu Kurzumtriebsflächen ist einfach, da beim Anbau von Nachwachsenden Rohstoffen auf stillgelegten landwirtschaftlichen Flächen der Ackerstatus bewahrt wird und somit Aufforstungs- und Rodegenehmigungen entfallen. Voraussetzung dafür ist eine zeitliche Begrenzung des Gehölzanbaues auf eine Umtriebszeit von 20 Jahren. Aufgrund der Endlichkeit fossiler Rohstoffe kann der Gewinnung von regenerativer Energie aus Kurzumtriebsholz eine zukunftsträchtige Funktion zugesprochen werden. Dafür bedarf es jedoch noch einer Weiterentwicklung der Marktchancen bezüglich standortgerechter Sorten und Erntetechnik. In ökologischer Hinsicht führen derartige Flächen zu einer Erhöhung der Biodiversität und einer strukturellen Aufwertung von Agrarräumen.


"So viel darf als unzweifelhaft angenommen werden, daß kein Geschlecht für die landwirtschaftliche Holzzucht geeigneter sey, als das zahlreiche Geschlecht der Weiden, und daß ein Weidenbaum so viel einbringe als ein Obstbaum." (S. 34)

"Diese Pappel wächst beyläufig zweimal schneller als die Fichte, viermal schneller als die Buche, auch vier und ein drittel mal schneller als die Eiche -und wenngleich 2 Klaftern Brennholz von ihr mehr nicht als 1 Klafter Buchenholz werth sind, so bezahle sie dennoch das Land, worauf sie wächst, besser als die Buche, ja selbst besser als das Getreide." (S. 30)

G. v. SCHULTES (1841) in:
"Anleitung zur landwirtschaftlichen Holzzucht und Waldbenutzung"

Button zum Anfang der Seite
Bereits 1543 ordnete der französische König François I. Industriebetrieben an, bei ihrer Ansiedlung gleichzeitig Pappeln und Weiden anzupflanzen und diese im 10-jährigen Umtrieb für ihren Holzbedarf zu nutzen. Von dem Forstgelehrten Johann Matthäus Bechstein aus Waltershausen wird berichtet, dass die Schwarzpappel als eine Angelegenheit des Ökonomen und weniger des Forstmannes zu betrachten ist, da sie nicht im Wald wächst. Diese Aussagen, wie auch die oben genannten Zitate, belegen, dass das Wissen um schnellwachsende Baumarten, wie Populus Linné (Populus L.) und Salix Linné (Salix L.), sowie deren Nutzen lange bekannt ist und angewendet wird. Aber auch in der heutigen Land- und Forstwirtschaft, in der sich ein Strukturwandel vollzieht, haben die beschriebenen althergebrachten Kenntnisse nichts an ihrer Aktualität verloren.

Die Kurzumtriebswirtschaft mit schnellwachsenden Baumarten ist eine spezielle Form der landwirtschaftlichen Produktion. Das bedeutet, dass im feldähnlichen Anbau während 2- bis 10-jähriger Umtriebszeit Holzbiomasse als Nachwachsender Rohstoff, vor allem für die Energiebereitstellung, erzeugt wird. Für dieses System eignen sich unter europäischen Klimabedingungen speziell Pappeln und Weiden aus der Familie Salicaceae, da sie durch eine hohe Wüchsigkeit in den ersten 20 Lebensjahren gekennzeichnet sind. Neben schnellem Jugendwachstum sind sie geprägt durch leichte Vermehrbarkeit, gutes Stockausschlagvermögen sowie Dichtstandsverträglichkeit.

Für den Anbau bieten sich landwirtschaftliche Stilllegungsflächen an, da diese, betrachtet nach dem Gesetz zur Gleichstellung stillgelegter und landwirtschaftlich genutzter Flächen (BGBl. 1995 I S. 910), den Ackerstatus beibehalten. Voraussetzung dafür ist eine Umtriebszeitbegrenzung von 20 Jahren. Bezüglich der Standortgüte sind Sand- und Lehmböden mit einem Mindestjahresniederschlag von 500mm zu wählen. Aus der Gattung Populus L. kommen von den existierenden fünf Sektionen Hybride zwischen und innerhalb den Schwarzpappeln (Aigeiros), Balsampappeln (Tacamahaca) sowie Weiß-⁄ Zitterpappeln (Leuce) bedingt für den Anbau in Frage. In der Praxis befindliche Sorten sind, in der Reihenfolge ihrer Leistung, zum Beispiel Mehrklonsorte Max, Beaupré und Muhle Larsen. Bei den Weiden (Salix L.) werden vorwiegend Kreuzungen der Korb- oder Hanfweide verwendet. Gängige Sorten sind unter anderem Tora, Ulv und Björn. Die genannten Pappel- und Weidensorten haben sich auch in Versuchen in Mitteldeutschland bestätigt. Aufgrund schlechter Ergebnisse in Thüringen und Sachsen ist von den Populus L.-Sorten Schwarza und Münden 1-20 abzusehen. Die Untersuchungen in Sachsen-Anhalt haben eine unterschiedliche Reaktion von Pappeln und Weiden auf die N-Düngung im Zusammenhang mit Standortgegebenheiten, insbesondere dem Wasserbedarf, gezeigt. Außerdem zeigen die Ergebnisse von Sachsen, dass die Sortenwahl mit der Umtriebszeitlänge abzustimmen ist und die Erträge mit der Entwicklung des zur Bestandesgründung genutzten Pflanzmaterials in Verbindung stehen.
Button zum Anfang der Seite
Als Pflanzmaterial dienen vorwiegend aus Mutterquartieren gewonnene, ca. 20cm lange Steckhölzer bzw. längeres sowie älteres Pflanzgut, wie Steckruten, Setzstangen und Legeruten. Bei Aspen ist darauf zu achten Grünstecklinge zu verwenden, da eine Vermehrung über einfache Stecklinge nicht möglich ist. Als Bodenbearbeitung erfolgt bei Lehmböden ein Pflügdurchgang im Herbst vor der Anlage, bei Sandböden im Frühjahr sowie bei beiden ein anschließender Grubber-Eggenstrich. Die Pflanzung wird im zeitigen Frühjahr durchgeführt und variiert in ihrem Anlageschema. Kleinstflächen werden manuell angelegt, größere mit Pflanzmaschinen, wie Quickwood I, II oder Tolne. Bei Mini-Rotationen (2- bis 3-jähriger Umtrieb) werden ca. 16.000 bis 20.000 Steckhölzer⁄ha, bei Midi-Rotationen (4- bis 6-jähriger Umtrieb) ca. 8.000 bis 12.000 Steckhölzer⁄ha und bei Maxi-Rotationen (8- bis 10-jähriger Umtrieb) ca. 1.500 bis 3.000 Steckhölzer⁄ha etabliert. Darüber hinaus kann die Anlage je nach Betriebssituation variieren. Stehen einreihig arbeitende Ernteaggregate zur Verfügung, ist ein Pflanzverband von 2 m x 0,3 m bis 0,6 m günstig. Bei zweireihig arbeitenden Maschinen sind die Doppelreihen in 1,5 bis 2,5 m Entfernung voneinander anzulegen. Der Abstand zwischen den Reihen beträgt 0,75 m und der Pflanzabstand 0,6 m.

Durch Pflegemaßnahmen, wie Hacken und Mulchen, in den ersten zwei Jahren ab Kulturanlage wird das Unkraut bekämpft. Der Bestandesschluss nach ca. 3 bis 4 Jahren erübrigt weitere Unkrautregulierungen. Aufgrund von gutem Nährstoffangebot aus der früheren Nutzung der landwirtschaftlichen Fläche kann die Düngung im ersten Jahrzehnt unterbleiben. Hohe Verluste durch biotische Schadfaktoren, wie zum Beispiel Blattrost (Melampsora sp.), treten selten auf und können durch die Sortenwahl beeinflusst werden. Lediglich den durch Wild verursachten Schäden ist gegebenenfalls durch eine Umzäunung, zumindest in den Anfangsjahren, entgegenzuwirken. Es empfiehlt sich die Mäusepopulationen zu beobachten.

Die Ernte, für die verschiedene technische Möglichkeiten zur Verfügung stehen, erfolgt im Winter. Das Erntegut von kleineren Flächen wird im motormanuellen Verfahren mittels Motorsäge bereitgestellt und anschließend gehackt. Auf größeren Flächen werden teil- oder vollmechanisierte Arbeitsweisen, für die entsprechende Maschinen, wie zum Beispiel Fäller-Bündler-Maschine und Gehölzmähhäcksler, verfügbar sind, durchgeführt. Trockenmasseerträge von 10 bis 12t ha-1a-1 in 4 bis 5 Jahren sind als positiv zu bewerten. Sie schwanken jedoch im Bereich von 6 bis 25t TM ha-1a-1. Neben der hauptsächlichen energetischen Nutzung der Biomasse (Hackschnitzel) gibt es eine Verwertung in der Zellstoff- und Pharmaindustrie. Nach mehrmaliger Beerntung über einen Zeitraum von ca. 25 Jahren erscheint eine Neubegründung oder Rückumwandlung der Fläche aufgrund von Krankheiten und des Bestandesalters sinnvoll.
Button zum Anfang der Seite
Der Anbau von Pappeln und Weiden im Kurzumtrieb stellt also eine alternative Nutzungsmöglichkeit für ackerbaulich verwendete Flächen dar, die aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen werden. Dieses System beinhaltet Vor- und Nachteile auf verschiedenen Gebieten, die sowohl mit der Umwelt als auch der Gesellschaft in engem Kontext stehen.
Beide Baumarten eignen sich aufgrund ihrer Schnellwüchsigkeit und ihrem Wiederaustriebsvermögen besonders für die Energiewaldwirtschaft, in der es gilt, innerhalb von kurzer Zeit viel Biomasse zu erzeugen. Die rechtlichen Bedingungen beim Weg hin zu diesem Anbauverfahren sind unkompliziert. Als nachteilig sind die hohen Arbeitskosten bei der manuellen Anlage zu sehen. Für die Sortenwahl stehen Geeignete zur Verfügung, wobei eine Weiterentwicklung der Sorten hinsichtlich Standortangepasstheit auch zukünftig zu empfehlen ist. In niederschlagsarmen Gebieten kann eine Bewässerung nötig sein bzw. sollte vom Anbau abgesehen werden. Ein wesentlicher Vorteil ist der Verzicht auf Düngungsmaßnahmen, zumindest in den ersten Jahren. Auch in Bezug auf Unkrautbekämpfung und Pflanzenschutzarbeiten stellt die mögliche extensive Bestandesführung einen bedeutenden Aspekt dar. Dies bedeutet eine Schonung von Ressourcen sowie eine Kosteneinsparung. In wildreichen Gebieten ist eine Umzäunung meistens unabdingbar, bedeutet aber eine zusätzliche finanzielle Belastung. Die Ernte im motormanuellen Verfahren ist während des Hackvorganges gefährlich und bedeutet einen relativ hohen Arbeitsaufwand. Einen Vorteil stellt demgegenüber die Durchführung in Eigenleistung dar. Teil- und vollmechanisierte Arbeitsweisen verlangen hohen organisatorischen und logistischen Aufwand, können aber Arbeitskosten deutlich senken. Insgesamt bilden Ernteausgaben einen hohen Kostenfaktor, dem es durch Entwicklung rationeller Ernteverfahren sowie dem Ausbau von Maschinenringen entgegenzuwirken gilt. Zu beachten ist außerdem, dass Wiederbegründungskosten entfallen, da der schnellwachsende Wald mehrere Jahre genutzt werden kann.
Button zum Anfang der Seite
Aus ökologischer Sicht gibt es wesentliche Vorteile. Dabei ist die strukturelle Aufwertung von Agrarräumen ebenso zu nennen, wie der Aspekt, dass Kurzumtriebsanlagen einen Ansiedlungsraum für verschiedene Tierarten bieten. Außerdem ermöglicht die extensive Bestandesführung (u.a. eingeschränkter Düngemitteleinsatz) einer solchen Plantage die Schonung wichtiger Ressourcen, wie zum Beispiel Boden sowie Rohstoffe für Düngemittel. Eine wichtiger Vorzug ist die Bereitstellung eines CO2-neutralen Brennstoffes. Dies stellt eine wichtige Tatsache im Zusammenhang mit der Klimaentwicklung dar. Aufgrund der steigenden Rohölpreise und der damit verbundenen Erhöhung der Brennstoffkosten bietet sich durch den Anbau schnellwachsender Bäume auch die Möglichkeit, selbst eine Ressource zu schaffen, die zudem nachwachsend ist. Damit diesem Verfahren zukünftig mehr Bedeutung beigemessen wird, muss aber erst noch ein stärkeres Bewusstsein gegenüber der Endlichkeit fossiler Rohstoffe in der Gesellschaft eintreten.
Die vorangestellten Zitate zeigen, dass Pappeln und Weiden aufgrund ihrer guten Eigenschaften bereits Ende des 18. Jahrhunderts für die Menschheit, zum Beispiel als Brennholz, von großer Bedeutung waren. Seit den letzten 10 Jahren blüht der Kurzumtrieb erneut auf. Zu hoffen ist somit, dass es in dieser Richtung zur Weiterentwicklung kommt. Erste Ansätze sind in der Umweltpolitik der Bundesrepublik Deutschland zu sehen (vgl. § 1 EEG). Sie hat das Ziel bis zum Jahr 2010 12,5% des Stroms und 4,2% des Primärenergieverbrauches aus regenerativen Energien bereitzustellen. Bis 2020 sollen diese Werte 20% bzw. 10% betragen. Die genannten Zahlen sowie der Aspekt der zukünftigen Verknappung von Waldholz in der Forstwirtschaft lassen eine Chance für die Kurzumtriebswirtschaft erkennen. Diese Kriterien weisen deutlich auf ein neu zu erschließendes Nutzungspotenzial in der Landwirtschaft hin, dem es als alternatives Standbein mehr Aufmerksamkeit entgegenzubringen gilt.

Button zur vorherigen Seite (zurueck) Bild zum Anfang der Seite Button zur naechsten Seite (vor) Button zur Startseite