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Herausforderung Klimawandel
"Eberswalder Erklärung"

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Autor (-en):
Jan Engel, Landesforstanstalt Eberswalde (LFE)
Kontakt:
Zusendung am:
22.04.2008
Einstellung am:
22.04.2008
Dokumenttyp:
Bericht zur Arbeitstagung "Waldmanagement im Klimastress" (17.⁄18. April 2008 in Eberswalde) mit der dort verfassten "Eberswalder Erklärung" und den darin formulierten Anforderungen an die Politik, die Wissenschaft und die Forstwirtschaft zur Bewältigung der sich aus dem Klimawandel für die Wälder ergebenden Gefahren

Daran herrscht keine Zweifel mehr:
Eine Veränderung des Klimas setzt den Wald unter Stress. Die Verringerung der Niederschläge bei gleichzeitiger Erwärmung, die geringe Wasserspeicherfähigkeit der Böden, Stürme, Waldbrand und Insektenschäden erfordern besonders in Nordostdeutschland neue Strategien bei der Bewirtschaftung des Waldes. Über 80 Vertreter von wissenschaftlichen Institutionen, öffentlichen Verwaltungen, von nichtstaatlichen Organisationen und Verbänden sowie Waldbesitzer aus ganz Deutschland haben anlässlich einer Arbeitstagung vom 17. bis 18. April 2008 in Eberswalde eine Erklärung zum Waldmanagement im Klimastress erarbeitet.


"Die Forstwirtschaft der Zukunft muss mehr denn je die Stabilität der Wälder gegen diese Schadfaktoren erhöhen" waren sich die Gastgeber der Veranstaltung, das Agrar- und Umweltministerium, das von-Thünen-Institut für Waldökologie und Walderfassung, die Landesforstanstalt und die Fachhochschule Eberswalde, einig. Die Institutionen des Eberswalder Waldcampus zeigten damit den Wunsch, in Zukunft auch auf diesem Gebiet noch tatkräftiger als Kompetenzzentrum zusammen zu wirken und wahrgenommen zu werden.

In Plenarsitzungen und mehreren Arbeitsgruppen wurde der Stand des Wissens, aber auch die Defizite hinsichtlich der neuen Anforderungen an das Waldmanagement unter Berücksichtigung des Klimawandels im nordostdeutschen Tiefland kontrovers diskutiert. Es wurden neue Themenfelder benannt aber auch Dauerbrenner wie der Waldumbau oder Wildtiermanagement genannt, wo für Forschung, Politik und Forstmanagement unter Berücksichtigung bestehender Rahmenbedingungen Handlungsbedarf besteht.
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Fragen präzise formulieren

Die gegenwärtigen Klimamodelle zeigen, so Prof. Dr. Manfred Stock vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), dass das Nordostdeutsche Tiefland, wie keine andere Region Deutschlands, von den Klimaänderungen betroffen sein wird. Die Auswirkungen auf den Wald werden zeitlich verzögert, aber tiefgreifend, irreversibel und gesamtgesellschaftlich spürbar sein.
Die besondere Relevanz ergebe sich aus dem Stellenwert des Waldes im Nordostdeutschen Tiefland. Die Wald- und Holzwirtschaft sei ein wesentlicher Arbeitgeber im strukturschwachen ländlichen Raum so Brandenburgs Landesforstchef Karl-Heinrich von Bothmer. In dieser Region liege ein überproportional hoher Anteil der Waldnaturschutzgebiete und Walderholungsräume Deutschlands. Mann könne zum Klimawandel keine Lösungen anbieten, sondern müsse präzise Fragen formulieren.

Prof. Andreas Bolte (Leiter des Eberswalder vti-Instituts) und Prof. Pierre Ibisch (Dekan des Fachbereichs Wald um Umwelt in Eberswalde) gingen in ihrem Vortrag darauf ein, dass nur eine ökologische Waldwirtschaft auf wissenschaftlicher Grundlage, die permanente Kontrolle des Ökosystems Wald und intelligente Lösungen zur Holznutzung Klimafolgen abpuffern und dabei positive Effekte zum Schutz des Klimas erzielen können.

Prof. Klaus Höppner (Leiter der Landesforstanstalt Eberswalde) betonte, dass Allianzen notwendig seien, um die vielfältigen Funktionen des Waldes dauerhaft und nachhaltig zu erhalten. Dazu seien gemeinsame Anstrengungen von Waldeigentümern, Staat, Politik und Gesellschaft notwendig. Die "Eberswalder Klima-Werkstatt" gebe daher die ersten Impulse für ein gemeinsames Waldmanagement im Klimastress.
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Waldbewirtschaftung auf worst case einrichten

Vielfalt müsse sich im praktischen Waldbau auch in Ernte- und Hiebsmaßnahmen wiederfinden forderte Prof. Sven Wagner (TU Dresden) und betonte, dass zukünftig ein Nachhaltsumbau statt ein Funktionsumbau der Wälder in Angriff genommen werden müsse. Die abebbende "Umbau-Euphorie müsse durch den Klimawandel neu belebt werden. Dr. Michael Luthardt (MLUV Brandenburg) zeigte auf, dass Brandenburg auf dem Kreuzungspunkt vieler Baumartenareale liege und sich daraus Chancen für Anpassungs-Szenarien ergeben. Mit dem Klimawandel kommen erhebliche finanzielle Belastungen auf die Gesellschaft und die Landnutzer zu, so Dr. Frank Setzer (DLG e. V) und zeigte auf, dass es bisher noch keine Fördermechanismen gebe, die auf den Klimaschutz ausgerichtet sind.
Diese Szenarien, Lösungsansätze und Forderungen standen zur Diskussion, die von Moderator Hannes Elster (proWald) mit dem Hinweis eröffnet wurde, dass sich die Waldbewirtschafter in ihrem Handeln auf den schlimmsten Fall einrichten müssen. So wurde im Plenum deutlich, dass staatliche Aufgaben wie das Umweltmonitoring im Wald, die forstliche Forschung, die Forstaufsicht sowie die Beratung des Privatwaldes und die gemeinwohlorientierte Bewirtschaftung des öffentlichen Waldes der "Jahrtausend-Aufgabe Klimaschutz" gerecht werden müssen, um die Funktionen des Waldes auch für kommende Generationen als unverzichtbare Lebensgrundlage zu erhalten. Aber auch Detailfragen wie zu Waldbau und Grundwasserneubildung, Standraumregulierung bei Wassermangel oder Neubewertung von Wildschäden unter Gesichtspunkten des Klimaschutzes kamen zur Sprache und wandten sich vor allem naturwissenschaftlichen Disziplinen der forstlichen Forschung. Sozialwissenschaftliche Forschungen müssen aufklären, ob das Thema bereits bei allen forstlichen Akteuren angekommen ist, welche Akteure im Handlungsfeld Klimawandel und Waldbewirtschaftung aktiv sind und welche Mechanismen der politischen Partizipation und des Wissenstransfers wirken.
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Einstimmig warnten die Teilnehmer der Tagung vor erheblichen Gefahren des Klimawandels für den Wald und formulierten nach umfassender Diskussion die gemeinsame "Eberswalder Erklärung":


Eberswalder Erklärung vom 18. April 2008
zum Waldmanagement im Klimastress
  • Schaffung einer Kommunikationsplattform zwischen Landnutzern und Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Naturschutz

  • Schaffung von Rahmenbedingungen zur vorrangigen stofflichen Nutzung des Waldholzes und Bereitstellung von Energieholz aus Kurzumtriebsplantagen bzw. Agro-Forstsystemen

  • Weiterentwicklung des Waldmonitorings und Intensivierung der Waldforschung im Hinblick auf den Klimawandel

  • Konsequente Fortführung des Waldumbaus zur Risikostreuung unter Einbeziehung einheimischer und etablierter fremdländischer Baumarten

  • Tiefgreifende Änderung und Ausrichtung des Wildtiermanagements auf die Erfordernisse der Anpassung der Wälder an den Klimawandel

  • Zielorientierte Weiterentwicklung der Förderinstrumente zur ökologischen Stabilisierung der Wälder und der langfristigen Kohlenstoff-Bindung

  • Beibehaltung des integrierten Naturschutzes und Honorierung von Naturschutzleistungen der Forstwirtschaft

  • Landnutzungsübergreifendes Wassermanagement und Honorierung der wasserwirtschaftlichen Leistungen der Forstwirtschaft

  • Kontinuierliche Anpassung und Weiterentwicklung bestehender Bewirtschaftungskonzepte an den Klimawandel

  • Schaffung von an den Klimawandel angepassten Planungs- und Entscheidungsgrundlagen (z. B. Standortserkundung)

  • Aufstockung des Fachpersonals in Wissenschaft und Praxis zur Bewältigung der vermutlich drastischen Folgen des Klimawandels


Landesforstanstalt Eberswalde (LFE)


Die Eberswalder Erklärung ist auch in der Fachzeitschrift AFZ-DerWald erschienen. Mit freundlicher Genehmigung der Autoren und des Verlages erfolgt die Einstellung dieses Artikels auch in diesem Portal:

» Spathelf, P., Bilke, G., Bolte, A., Foos, E., Höppner, K., Ibisch, P. L., Kätzel, R., Lthardt, M. E., Nusko, N., Steinhardt, U. (2008): Eberswalder Erklärung - Waldmanagement im Klimastress. AFZ-DerWald", 63. Jahrgang, Heft 23⁄2008, S. 1254-1255. (pdf-Datei, 0,1 MB)


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